Das Theaterkollektiv Pièrre.Vers ist ein Zusammenschluss professioneller Theaterschaffender unter der künstlerischen Leitung des Regisseurs Christof Seeger-Zurmühlen und der Schauspielerin Julia Dillmann mit Sitz in Düsseldorf.

Seit 2012 entwickelt das Kollektiv performative, immersive Formate im öffentlichen und halböffentlichen Raum, in denen global gesellschaftlich-relevante Themen am Beispiel des Mikrokosmos STADT unter Einbindung der in Düsseldorf lebenden und agierenden Menschen untersucht werden. Mittlerweile wurden acht Stadtperformances erarbeitet.

Aktuell befasst sich das Kollektiv im mehrphasigen Kunst- und Forschungsprojekt ‚Historification’ mit dem zunehmenden Nationalismus in Politik und Gesellschaft und erhält hierfür die dreijährige Konzeptionsförderung des Landes NRW.

Vergangenes Jahr entstand der Komplex Schwarz-helle Nacht – ein dreiteiliges Kunst-, Erinnerungs-, Vermittlungs- und Bildungsprojekt, das die Ereignisse des Novemberpogroms 1938 in Düsseldorf thematisiert. Das Konzept basiert auf dem Archivgut der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf und stellt Fragen nach Sicherheit, Zugehörigkeit, Identität in einer pluralistischen Gesellschaft heute. In Zusammenarbeit mit der Mahn- und Gedenkstätte, der Jüdischen Gemeinde, Schulen, Stadtbewohner*innen und verschiedenen Partner*innen entstanden hierzu drei Formate:

  1. Eine ‚performative Zeitreise’ durch das Düsseldorf der Gegenwart zu Originalschauplätzen an denen Geschichten der damaligen jüdischen Bewohner*innen erzählt werden.
  2. Eine ‚szenische Installation’, die in Schulen, Kirchen, der Synagoge gezeigt wird.
  3. Ein Theaterprojekt mit Schulklassen.

Zu allen Formaten gehört ein Vermittlungsprogramm.

Im Jahr 2020 beschäftigt sich das Theaterkollektiv mit der Produktion Aktion:Aktion!erneut mit Düsseldorf in der Zeit des Nationalsozialismus. Aktion:Aktion!zeichnet anhand von Zeitzeugenaussagen die Ereignisse vom 16. und 17. April 1945 – die sogenannte ‚Aktion Rheinland’ und die damit verbundene kampflose Übergabe der Stadt an die Alliierten – nach.

Das Kollektiv erarbeitet seine künstlerischen Projekte anhand eines Grundprinzips, das auf fünf Parametern basiert: Recherche, Partizipation, Transformation/Produktion, Präsentation, Reflektion.

1-Recherche

Den künstlerischen Arbeiten geht ein intensiver Recherche- und Interviewprozess voraus, der die Basis für eine Stückentwicklung bildet. So werden im ersten Schritt Historiker*innen, Wissenschaftler*innen, Expert*innen zum Thema befragt und involviert, Hintergrundinformationen gesammelt, Orte aufgespürt und erforscht, um thematische Komplexitäten in einen fundierten Gesamtzusammenhang zu bringen.

2-Partizipation

In der Entstehung eines Stückes ist der Dialog mit themenrelevanten Stadtgestalten zentrales Element. Ihre Ansichten, Geschichten, Biografien fließen ggfls. in die Text- und Stück Dramaturgie mit ein. Später werden diese Personen teilweise selbst zu Akteur*innen einer Inszenierung. Sie empfangen z.B. das Publikum in ihren privaten Wohnräumen, in denen sie in inszenierten Situationen von sich erzählen.

Zudem sind die Besucher*innen aktiver Teil der Performances, da ihnen meist eine „Rolle“ zugeschrieben wird, aus deren Perspektive sie die Inszenierung erleben und ggfls. auch Einfluss nehmen können auf das theatrale Geschehen.

3-Transformation und Produktion

Anhand der Recherchen, Interviews und von literarischen Entwürfen entsteht ein Geflecht von Verbindungen zwischen den einzelnen Orten, den Menschen und ihren Geschichten, Fakten aus der Wirtschaft, soziologischen und ethnologischen Forschungen und satirischer Fiktion. In den Produktionen basierend auf historischem Archivmaterial werden die verschiedenen Zeitzeug*innen-Berichte und dokumentarisches Material in einer Stückfassung miteinander verwoben. Für die jeweilige Produktion werden je nach Sujet entsprechende Künstler*innen verpflichtet – Autor*innen, Komponist*innen,

Choreograf*innen u.a. Die Umsetzung erfolgt in einer gemeinschaftlichen Suche nach der für dieProduktion stimmigen stilistischen Elemente. Die Performances werden mit professionellen Darsteller*innen umgesetzt (siehe Biografien)

4-Präsentation

Das Theaterkollektiv entwickelt seit mehreren Jahren Projekte, in denen fiktionale Szenarien im realen Stadtraum stattfinden und Passant*innen zufällig Teil des inszenierten Geschehens werden können. Das Kollektiv hat einige Erfahrungen in diesem Bereich gesammelt und damit ein Bewusstsein, dass hier stets

eine hohe Aufmerksamkeit und Sensibilität erforderlich ist. An den performativen Reisen durch die Stadt können ca. 50 Zuschauer*innen pro Aufführung teilnehmen.

Die Stücke, die teilweise auch zu mobilen Bühnenformaten adaptiert werden (siehe Schwarz-helle Nacht), richten sich an alle Menschen ab 15 Jahren. Kooperationen mit Schulen und Bildungseinrichtungen werden im Vorfeld kommuniziert.

5-Reflektion & Evaluation

Gemeinsam mit Partnerorganisationen – wie aktuell der Mahn-und Gedenkstätte Düsseldorf – werden Begleitprogramme zur politischen Bildung für die Projekte entwickelt. Die Zuschauer*innen sollen z.B. mit ihrer Eintrittskarte für eine Aufführung, an themenbezogenen Vorträgen, Workshops und Führungen in der Mahn-und Gedenkstätte teilnehmen können. Nach der performativen Erinnerung Aktion:Aktion! Gibt es im Anschluss stets ein Nachgespräch mit einem Polizeihauptkommissar der Düsseldorfer Polizei. Somit erhalten die Teilnehmer*innen die Möglichkeit, das Erlebte zu reflektieren, Fragen zu stellen und sich weiter mit dem Thema zu befassen.

Des Weiteren ist es Bestreben und Anliegen die am Stück Partizipierenden zu vernetzen und ggfls. in Programme zu vermitteln.

Bisherige Kooperationen

NRW Forum, Düsseldorfer Schauspielhaus, Zakk, Kunstsammlung NRW, düsseldorf festival, Mahn- und Gedenkstätte, u.a.

Die Inszenierungen des Theaterkollektivs sind konzeptioneller Grundbaustein des asphalt Festivals.

(www. asphalt-festival.de).